Kommentierte Bibliographie

Die Online-Bibliographie Mediation verfügt über eine Auswahl weltweit erschienener Titel. Sie will dabei keine lückenlose Gesamtdokumentation der Thematik liefern, sondern bewusst selektiv bleiben. Die Akzente liegen dabei auf der allgemeinen Theoriediskussion sowie der Interdisziplinarität und Internationalität des Themas.

Es liegt auf der Hand, dass eine klassifikatorische Einordnung schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist. Dennoch haben wir der Übersichtlichkeit wegen diesen Versuch unternommen und die Werke nach folgenden Schwerpunkten gegliedert:


Grundfragen

§ Ashworth, A., Responsibilities, Rights and Restorative Justice, British Journal of Criminology 2002, S. 578 ff
Ashworth stellt in diesem Beitrag eine „rights oriented perspective“ in den Mittelpunkt. Dementsprechend diskutiert Ashworth „rights and responsibilities of the victim“. In diesem Zusammenhang bringt er auch die Empfehlungen der Council of Europe Recommendation on Mediation in Penal Matters zu den rechtlichen Garantien zur Geltung. (HJ)

§ von Bargen, J., Erfahrungen auf einem neuen Ausbildungsterrain, JuS-Magazin, September/Oktober 2006, S. 14 ff.
Von einer Möglichkeit der Vermittlung der vom DRiG geforderten Schlüsselkompetenzen –namentlich der Mediation- im Rahmen der universitären juristischen Ausbildung berichtet von Bargen. Er bezieht sich auf einen Workshop Mediation, den die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg im WS 2005/06 vertiefend zu einer Vorlesung im Sommersemester 2005 erstmals angeboten hat. Die von zwei Verwaltungsrichtern und einem Psychologen betreute interdisziplinäre Veranstaltung hatte einen verwaltungsrechtlichen Akzent, der sich jedoch, so von Bargen, ohne größere strukturelle Änderungen verschieben lasse; das Konzept ist mithin auch auf andere Rechtsgebiete übertragbar. Der Erfolg der Veranstaltung, eine Mischung aus Übung und Vorlesung belege, dass die Universität durchaus der richtige Ort sein könne, um in der juristischen Ausbildung soziale Kompetenzen zu vermitteln. (KN)

§ Bonafé-Schmitt, J.-P., La médiation : une autre justice, Syros-Alternatives, Paris 1992
Das Werk, das auf dem Außentitel interessanterweise « La médiation - une justice douce“ heißt, zählt zu den Klassikern der Mediationstheorie. Hier werden die verschiedenen Anwendungsfelder ebenso wie die verschiedenen „Philosophien“, die „Technik“, die Beteiligten (Stichwort: Recomposition du champ professionnel) und die Perspektiven präsentiert. (HJ)

§ Cain, M., Beyond Informal Justice – In: Contemporary Crises, 9 (1985), S. 335 ff
Im Zuge der “Alternativen-Debatte” der siebziger und achtiger Jahre über die Möglichkeiten (und Grenzen) einer weniger formellen, volksnäheren und “humanen“ Justiz setzt sich Maureen Cain mit der Kritik an den Modellen einer alternativen Konfliktlösung auseinander und entwickelt dabei eine “Theorie eines kollektiven Rechts“. (AM)

§ Coppens, P., Médiation et philosophie de droit. – In: Archives de politique criminelle 1991, S. 13
Der Autor stellt die Frage, inwieweit die Mediation in ihrer Essenz im Verhältnis zum von der demokratischen Moderne eingesetzten Richter eine privilegierte und effiziente Vorgehensweise zur Lösung von Konflikten ist. Er vertritt die These, dass die Mediation inadäquat ist, um soziale Konflikte zu lösen: Sie hänge mit den Mängeln der Theorie des gerichtlichen Urteils zusammen und werde von den Fortschritten der zeitgenössischen politischen Philosophie mitgetragen. Die Aufwertung der Mediation scheint die radikale Begrenztheit des Streitgegenstandes (sujet) zu maskieren; Ausserdem bezeugte sie die Insuffizienz der philosophischen Grundlage, auf der unsere Moderne die richterliche Funktion organisiert hat. Um die Frage zu beantworten, setzt sich Coppens mit den pragmatischen Tugenden der Mediation und dem Konflikt zwischen Mediation und der Theorie des gerichtlichen Urteils auseinander. (PS)

§ Hohls, A., Mediation-Dafür braucht der Jurist (k)eine Ausbildung, JuS-MagazinMärz/April 2007, S. 8ff.
Über die Referendarausbildung im Bereich Schlüsselqualifikationen des KG Berlin berichtet speziell mit Blick auf die Mediation die Rechtsanwältin und Mediatorin Astrid Hohls. Nach einer kurzen Darstellung der Eckpunkte des Mediationsverfahrens schließt sie mit dem Fazit, dass Kenntnisse über Konflikte und Kommunikation den beruflichen Umgang mit Mandanten, Verhandlungspartnern, Klägern und Beklagten erleichtern und sich letztlich positiv auf die berufliche Aktivität auswirken. (KN)

§ Janrosson, P., Médiation, In: Allaud/Rials (dir.), Dictionnaire de la culture juridique, Lamy/Presses universitaires de France 2003, S. 1009-1012
In dem knappen Beitrag stehen vor allem die verschiedenen Vorstellungen, die sich mit dem Begriff der Mediation verbinden, die historische Entwicklung von Mediation, die Auswirkungen auf das Rechtssystem und der (legitime) Anwendungsbereich im Vordergrund.(HJ)

§ Nader, L., The Direction of Law and the Development of Extra-Judical Processes in Nation State Societies. – In: Gulliver (ed.), Essays in Memory of Max Gluckmann, Leyden 1978, S. 78 ff
Der Beitrag zählt zu den Klassikern in der Analyse der unterschiedlichen Formen von Konfliktregelung. Es geht im Kern um die Frage, welche Gesellschaft welchen Typ von Konfliktregelung generiert. Die Grundmelodie wird durch rechtsethnologische und gesellschaftstheoretische Erkenntnisse bestimmt. Das Stichwort im Zusammenhang mit Mediation heißt „situational justice“ (S. 86). (HJ)

§ Nelken, D.,Community Involvement in Crime Control. – In: Current Legal Problems 38 (1985), S. 239 ff
Das Konzept des Community Involvement zählt zu den gesellschaftstheoretischen und rechtspolitischen Steigbügelhaltern der Mediations-Bewegung, jedenfalls im Strafrecht. Nelken unternimmt eine grundlegende Positionsbestimmung, in der wir u.a. mit den Stichworten von der „semi-autonomy“, dem „net widening“, dem „bottom-up development“ und der „community of interests v. community of feelings“ konfrontiert werden. (HJ)

§ Weigend, T., Freiwilligkeit als Funktionsvoraussetzung alternativer Konfliktregelung? – In: Jung (Hrsg.), Alternativen zur Strafjustiz und die Garantie der individuellen Rechte der Betroffenen – Participatory Models and Individual Rights, Bonn 1989, S. 149 ff
Im Hinblick auf den Täter ist die Freiwilligkeit der Teilnahme als Funktionsvoraussetzung von Mediation in einem puristischen Sinn nicht zu erreichen. Weigend zeigt dieses zentrale Problem von Mediation im Schlagschatten des Strafverfahrens anschaulich auf und schließt daran die Frage an, ob und ggf. inwieweit Mediationsmodelle mit dieser reduzierten Form der Freiwilligkeit leben können. (AM)



Status- und Rollenfragen

§ Braithwaite J., Setting Standards for Restorative Justice, British Journal of Criminology 2002, S. 563 ff
Braithwaite diskutiert die Frage der Entwicklung von Standards. Er plädiert für eine bottom-up Entwicklung von Standards. Lokale Standards bräuchten sich, was ihre inhaltliche Qualität anbetrifft, hinter internationalen Dokumenten nicht zu verstecken. Diese seien (nur) wichtig als „provisional, revisable agenda for bottom-up deliberations.“ (HJ)

§ Henssler/Schwackenberg , Der Rechtsanwalt als Mediator, in: MDR 1997, S. 409 ff
Die Autoren gehen zunächst auf die Betätigungsfelder des (anwaltlichen) Mediators und auf bedeutende berufsrechtliche Fragen ein (Berufshaftpflicht, Geltung der BRAO). Desweiteren sprechen sie Kooperationsmöglichkeiten mit nichtanwaltlichen Mediatoren und Werbemöglichkeiten an (bei letzterem unterscheiden sie zwischen Werbung mit mediativer Tätigkeit und solcher mit der Kooperation mit nichtanwaltlichen Mediatoren). Auch auf die Schwierigkeiten bei der Gebührenberechnung wird eingegangen. Abschließend fassen die Autoren die wichtigsten von ihnen angesprochen Punkte zusammen und geben einen kurzen Ausblick auf die Zukunft. (PS)


Einzelne Anwendungsfelder

Die einzelnen Anwendungsfelder beziehen sich schwerpunktmäßig auf die deutsche und französische Rechtslage. Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Auswahl der Literatur wider.

Zivilrecht

§ Feltes, T., Gesellschaftliche Gerichte, Schlichtungsstellen und Schiedskommissionen. Rechtspolitische Möglichkeiten oder historische Irrtümer? – In: Zeitschrift für Rechtspolitik 1991, S. 94 ff
Der Beitrag stellt die Tätigkeit der gesellschaftlichen Gerichte der DDR bis zu deren Auflösung dar und geht der Frage nach, ob deren Überbleibsel in Form der Schiedsstellen eine rechtspolitische Chance darstellt, aktuelle kriminalpolitische Tendenzen, z.B. im Zusammenhang mit dem Täter-Opfer-Ausgleich auch in den "neuen Bundesländern" umzusetzen. In der DDR wurden gewisse Strafverfahren an Schiedskommissionen übergeben, diese verhängten Geldbußen, Rügen und andere Erziehungsmaßnahmen. Mit dem Wirksamwerden des Einigungsvertrages haben die Schiedskommissionen jedoch ihre Tätigkeit eingestellt. Der Autor stellt den Vorschlag der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit und eine Ausweitung des Systems auf das ganze Bundesgebiet in den Raum. (PS)

§ Kiéfé, S., La médiation familiale. – In: Gazette du Palais 1991, Doctr., S. 432 ff
Die Autorin gibt zunächst einen geschichtlichen Überblick seit dem zweiten Weltkrieg über die Entwicklung des Schutzes der Kinder nach der Ehescheidung der Eltern in Frankreich und der Mediation in diesem Zusammenhang. Dabei greift sie eine Definition der Aufgabe des Mediators in Familienangelegenheiten auf und weist darauf hin, dass die Mediation auch noch nach der Scheidung eine Rolle spielen kann, z.B. bei der Regelung des Sorge- und Besuchsrechts. Auch weist sie auf die ernormen Fortschritte hin, die auf dem Gebiet der Verständigung und der Mediation in den letzten 50 Jahren erreicht wurden. (PS)

§ Röhl, K. F., Erfahrungen mit Güteverfahren. – In: Deutsche Richterzeitung 1983, S. 90 ff
Dieser Beitrag aus dem Jahre 1983 beschäftigt sich nicht mit Mediation als solcher, sondern er beschreibt die Entstehung und die verschiedenen Ausprägungen des Güteverfahrens in Zivilsachen, sowohl historisch (beginnend im Preußen des frühen 19. Jahrhunderts) als auch rechtsvergleichend. Der Autor unterscheidet zwischen dem (in das Gerichtsverfahren) integrierten und dem isolierten Güteverfahren und stellt die jeweiligen Unterformen dar. In diesem Zusammenhang erläutert er neben verschiedenen historischen deutschen Systemen das des "juge de paix" in Frankreich, des schweizerischen Friedensrichters und der US-amerikanischen "compulsory arbitration". (PS)

§ Risse , Wirtschaftsmediation, in: NJW 2000, S. 1614 ff
Der Beitrag hat zum Ziel, das Mediationsverfahren als im Einzelfall sinvolle Alternative zum Prozess vorzustellen. Der Autor erläutert zunächst Grundcharakter und Ablauf des Mediationsverfahrens - an dessen Ende der Vergleichsvertrag steht - und betont die wesensimmanente Verfahrensflexibilität der Mediation. Im Anschluss daran skizziert er die Vorteile (Zeitersparnis, Kostenvorteil, Vertraulichkeit, Erhalt der Parteibeziehungen, niedrigere Eintrittsschwelle, Innovationskraft der Mediation) und Nachteile (Frustration über unnützen Zeit- und Kostenaufwand bei Scheitern, Missbrauchsmöglichkeit durch unlautere Parteien, z.B. zur Verzögerung oder zum Informationsgewinn) und gibt einen Ausblick in die Zukunft der Mediation. (PS)

§ Rüssel , Mediation in der Praxis: Wirtschafts- und Familienmediation, in: JA 2005, S. 666 ff
Aus den Anwendungsbereichen der Mediation hat die Verfasserin die Bereiche Familien- und Wirtschaftsleben herausgegriffen. Ausdrücklich hebt sie gleich zu Beginn ihres praxisorientierten Überblicks die Bedeutung der Mediation als Schlüsselqualifikation in der juristischen Ausbildung hervor. Die Verfasserin beschreibt die verschiedenen Anwendungsbereiche der Mediation im Rahmen von familiären bzw. wirtschaftlichen Beziehungen und stellt deren Besonderheiten dar. Die Einsatzgebiete der Mediation im öffentlichen Bereich und im Strafrecht sollen in zwei späteren Ausgaben der JA vorgestellt werden. (KN)


Strafrecht

§ Cario (sous la dir.), La médiation pénale. Entre répression et réparation. Paris, Montreal 1997
An diesem Sammelband haben neben dem Herausgeber, Robert Cario, Sylvie Arnoux, Antonio Beristain, Robert Bidart, Jaques Faget, Luc Fauconnet, Jean-Yves Guilhemjouan, Farida Hadidi, Daniel Jullion, Nicole Terq, Maryse Vaillant und Anne Wyvekens mitgearbeitet. Die Beiträge vermitteln sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht ein Bild der médiation pénale in Frankreich. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei die Beiträge von Cario über das Potential und die Ambivalenzen der Mediation, von Faget über den rechtlichen Rahmen und die ethischen Grundlagen der Mediation sowie von Wyvekens über die neuen „Häuser der Justiz“.Der Band enthält darüber hinaus eine Zusammenstellung der einschlägigen gesetzlichen Normen und Verwaltungsvorschriften sowie Statistiken und nützliche Adressen. (HJ / AM)

§ Dölling, D.,Der Täter-Opfer-Ausgleich – Möglichkeiten und Grenzen einer neuen kriminal-rechtlichen Reaktionsform. – In: Juristen Zeitung 1992, S. 493 
Der Autor geht auf Gründe für und Einwände gegen den Täter-Opfer-Ausgleich ein und versucht schließlich eine „Standortbestimmung“ des Täter-Opfer-Ausgleichs im System der Strafrechtspflege. (AM)

§ Dünkel, F./ Rössner, D., Täter-Opfer-Ausgleich in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz. – In: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 1987, S. 864 
Die Verfasser gehen im Rahmen ihres punktuell rechtsvergleichenden Ansatzes auf die gesetzlichen Möglichkeiten eines Täter-Opfer-Ausgleichs und ihre praktische Bedeutung ein. Dabei schildern sie auch einzelne Modellprojekte, schwerpunktmäßig aus dem Bereich des Jugendstrafrechts. (AM)

§ Faget, J., La médiation. Essai de politique pénale. Ramonville Saint-Agne, 1997.
Das Werk versucht das Spannungsfeld zwischen Repression und Mediation als einer „sanften“ Methode der Konfliktbewältigung und die aus diesem Spannungsfeld resultierenden Schwierigkeiten in der Umsetzung der Mediationsidee im Bereich des Strafrechts aufzuzeigen. (AM)

§ Garapon, A., Justice rituelle, justice informelle, justice décentralisée. – In: Garapon / Salas (sous la dir.), La justice des mineurs. Evolution d’un modèle. Paris 1995, S. 139 
Etwas versteckt in einem Werk über Jugendgerichtsbarkeit finden sich sehr grundsätzliche Überlegungen über die Justiz, die in Betrachtungen über dessen Re-Adjustierung einmünden (L’émergence d’un trosième modèle). (HJ)

§ Gonzáles Alvarez, La Conciliation penal en Iberoamérica, Ciencias Penales, Revista de la Associación de Ciencias Penales de Costa Rica 12 (2000) Nr. 18, S. 115 ff
Der Verf. ordnet die conciliación als tercera via (dritter Weg) in das Strafjustizsystem ein. Man findet die positivrechtlichen Ansatzpunkte in den einzelnen iberoamerikanischen Ländern. Auch werden die Überlegungen in die internationale Diskussion des Themas eingebettet. (HJ)

§ Hirsch, H.-J., Wiedergutmachung des Schadens im Rahmen des materiellen Strafrechts. – In: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 1990, S. 535 
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage der Standortbestimmung der Wiedergutmachung im strafrechtlichen Sanktionensystem. Hirsch setzt sich dabei insbesondere mit der von Roxin vertretenen Auffassung, wonach Wiedergutmachung als „dritte Spur“ neben der Strafe und den Maßregeln der Besserung und Sicherung anzusehen sei, kritisch auseinander. (AM)

§ Justiforum. Papers d’Estudis I Formacio, La Medició Victima-Delinquent, Num. 5 II, Juliol 1996
Die von der Generalitat de Catalunya, Departament de Justicia herausgegebene Schrift enthält die Referate, die anläßlich eines europäischen Seminars zum Thema “Mediation - Opfer-Täter“, das vom Europarat, der Generalitat de Catalunya und der Universität von Barcelona 1995 in Barcelona durchgeführt wurde, u.a. mit Referaten von Esther Giménez-Salinas, Heike Jung und Tony Marshall (alle Beiträge sind in Katalanisch). (HJ)

§ Kilching, M. Aktuelle Perspektiven für Täter-Opfer-Ausgleich und Wiedergutmachung im Erwachsenenstrafrecht, Neue Zeitschrift für Strafrecht 1996, S. 309 ff
Der Autor liefert einen Überblick über die mit dem Verbrechensbekämpfungsgesetz 1994 eingeführte Vorschrift des § 46 a StGB. Er würdigt dabei insbesondere die höchstrichterliche Rechtsprechung zu § 46 a StGB. (AM)

§ Kondziela, A., Täter-Opfer-Ausgleich und Unschuldsvermutung – In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 1989, S. 177 ff
Kondziela setzt sich in seinem Beitrag eingehend mit der wichtigen Frage auseinander, ob und ggf. wie im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs die Unschuldsvermutung des potentiellen Täters gewahrt werden kann. (AM)

§ Lazerges, C., Médiation pénale, justice pénale et politique criminelle. – In: Révue de science criminelle et de droit pénale comparé 1997, S. 186 ff
Der Beitrag liefert einen Abriss über die Rechtsgrundlagen der médiation pénale in Frankreich und die unterschiedlichen Verfahrenstypen. In einem zweiten Teil untersucht die Verfasserin die médiation pénale unter kriminalpolitischen Aspekten. (AM)

§ Leblois-Happe; J., La médiation pénale comme mode de réponse à la petite délinquance: état des lieux et perspectives. – In: Revue de science criminelle et de droit pénal comparé 1994, S. 525 ff
Die Verfasserin liefert einen gelungenen Überblick über die Entwicklungsgeschichte der médiation pénale in Frankreich vom Entstehen der ersten Modellprojekte bis zur gesetzlichen Verankerung in Art. 40 Abs. 7 C.P.P. (AM)

§ Marshall, T., Victim-Offender-Mediation. – In: Home Offices, Research and Statistics Department, Research Bulletin N° 30, London 1991, S. 9 ff
Marshall bietet einen Überblick über die unterschiedliche Formen der im Bereich des Strafrechts in Großbritannien praktizierten Mediation. (AM)

§ Meier, B.-D., Täter-Opfer-Ausgleich und Wiedergutmachung im allgemeinen Strafrecht. – In: Juristische Schulung 1996, S 436 ff
Der Verfasser stellt die durch das Verbrechensbekämpfungsgesetz geschaffenen Regelungen, den rechtspolitischen Hintergrund und die Bedeutung von Täter-Opfer-Ausgleich und Wiedergutmachung im deutschen Strafrecht dar und kritisiert die Vorschrift des § 46 a StGB im Hinblick auf eine fehlende prozessulale Verankerung und die fehlende Möglichkeit der symbolischen Wiedergutmachung. (AM)

§ Müller-Dietz, H., Täter-Opfer-Ausgleich in der Bundesrepublik Deutschland. – In: Bewährungshilfe 1992, S 153 ff
Müller-Dietz‘ Beitrag bietet in erster Linie Hinweise auf Veröffentlichungen in diesem Bereich, freilich nicht ohne einleitend die unterschiedlichen kriminal- und gesellschaftspolitischen Strömungen, aus denen die Mediationsbewegung herrührt, kurz zu skizzieren. (AM)

§ Rojare-Guy, S., La médiation pénale, Thèse Université Paris 1, 1996
Die (leider) unveröffentlichte Dissertation stellt nicht nur eine wahre Fundgrube an Informationen über die verschiedenen Modelle dar. Sie entwickelt auch anregende theoretische Konzepte und geht zugleich den Fragen der gesetzlichen Umsetzung nach. Insofern handelt es sich um ein Werk mit einer ausgesprochen gelungenen Mischung von theoretischer Reflektion und empirisch-praktischer Orientierung. Die Kritik der Verfasserin gilt dabei namentlich den – in dieser Form zwischenzeitlich nicht mehr existierenden - Modellen der « médiation pénale déléguée », bei denen der Staatsanwalt selbst als Mediator fungierte. (HJ / AM)

§ Roxin, C.,Zur Wiedergutmachung als einer „dritten Spur“ im strafrechtlichen Sanktionensystem. – In: Arzt / Weber (Hrsg.), Festschrift für Jürgen Baumann. Bielefeld 1992, S. 243 ff
Roxin entwickelt in seinem Beitrag – im Anschluss an Frehsee - den Gedanken, die Wiedergutmachung als sog. „dritte Spur“ (neben Strafe und Maßregel) in das Sanktionensystem einzubauen und setzt sich dabei intensiv mit der Gegenposition, wie sie namentlich von Hirsch vertreten wird, auseinander. (AM)

§ Weigend, T., Fragen der Rechtstaatlichkeit beim Täter-Opfer-Ausgleich. – In: Marks / Meyer / Schreckling / Wandrey (Hrsg.), Wiedergutmachung in der Strafrechtspraxis. Erfahrungen, neue Ansätze, Gesetzesvorschläge. Bonn 1993, S. 37 ff
Schon der Titel dieses Beitrags ist Programm – gibt es doch nicht wenige Stimmen in der Literatur, die meinen, im Rahmen informeller Konfliktlösungsmodelle auf Recht und damit auch auf den rechtsstaatlichen Schutz der Beteiligten verzichten zu können und müssen. Weigend tritt diesen Ansätzen entgegen und setzt sich mit der konkreten Frage der Wahrung rechtsstaatlicher Grundsätze im Rahmen von Täter-Opfer-Ausgleich-Verfahren auseinander. Er geht dabei namentlich auf die Frage der Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze bei der Abgabe und der möglichen Rückleitung strafrechtlicher Fälle an bzw. von Institutionen des Täter Opfer-Ausgleichs und nach der Geltung bestimmter Verfahrensprinzipien für den Täter-Opfer-Ausgleich selbst ein. (AM)

Öffentliches Recht

§ Caspar, J., Schlichten statt richten – Möglichkeiten und Wege außergerichtlicher Streitbeilegung – In: DVBl. 1995, S. 992 ff
Der Beitrag beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, Konfliktschlichtungsmodelle in das Verwaltungsverfahren zu integrieren: Der Verfasser geht dabei auf die rechtlichen Rahmenbedingungen ein und zeigt die konkrete Ausgestaltung der Modelle und die Rolle des Mittlers auf. Insgesamt sieht er die außergerichtliche Streitbeilegung quantitativ betrachtet eher als Randerscheinung im Veraltungsverfahren, von der jedoch ein hohes qualitatives Potential ausgeht. (AM)

§ Ortloff, K.-M. , Neue Methoden des Verhandelns: Über den Einfluss der Mediation auf den Verwaltungsprozess, in: Festgabe 50 Jahre Bundesverwaltungsgericht, Heymanns, Köln u.a. 2003, S. 727-738
Der Verfasser sieht den Richter in einer Doppelrolle als Richter mit Entscheidungsmacht, als Vermittler –ähnlich dem Mediator- ohne Entscheidungsmacht. Er fragt sich ob der Richter in seiner Vermittlerrolle zwar nicht formal aber doch inhaltlich wie ein Mediator handeln kann. Er will dies in einem Modell gerichtsverbundener Mediation umgesetzt wissen, in dem Richter des Verwaltungsgerichts mit der Qualifikation eines Mediators von anderen Richtern als Mediator herangezogen werden könne. Er verbindet dies mit Thesen zur Methodik der Mediation. (HJ)
§ Reimers, W./Appel, G. R. , Gerichtliche Mediation in der hessischen Verwaltungsgerichtsbarkeit, in: Zeitschrift für Landes- und Kommunalrecht Hessen/ Rheinland-Pfalz/ Saarland (LKRZ) 2007, S. 7-10
Der Beitrag stellt das hessische Modellprojekt der gerichtsnahen Mediation dar. Es erscheint danach als ein Erfolgsmodell mit hoher Erfolgsquote (80 %), das allseits auf positive Resonanz stößt. Die (Vor-)Frage, wie gerichtsnah Mediation eigentlich sein darf und sollte, wird nicht ausdrücklich angesprochen, sondern allenfalls mit dem Hinweis auf das Vorbild eines multi door court house bedacht. (HJ)