Maximilian Herberger / Heike Jung / Anke Morsch

Programm und Agenda

Mediation ist in aller Munde. Längst ist Mediation zur Chiffre für eine weltweite Reformbewegung in Sachen „Konfliktregelung“ geworden, die alle Bereiche des Rechts zu erfassen scheint. Inhalte, Konzepte, Modelle und Zielperspektiven differieren von Land zu Land, von Rechtsgebiet zu Rechtsgebiet und je nach Rollenverständnis der Beteiligten. Während es den einen um eine andere Form der Justiz geht, geht es anderen um etwas anderes als Justiz. Zwar hat Kritik an der Justiz und den Juristen Tradition. Mediation weist jedoch sowohl in inhaltlich- konzeptioneller Hinsicht als auch methodisch darüber hinaus. Es geht nicht nur um die Vermeidung tatsächlicher oder vermeintlicher Begleitschäden juristischer Konfliktregelungen, sondern um Angebote, die den Rahmen für eine persönlichere und partizipatorisch angelegte Klärung und Regelung von Problemen abgeben sollen. Unversehens steht damit das Recht selbst auf dem Prüfstand.

Das Recht und die Juristinnen und Juristen müssen sich diesem Thema stellen. Dabei kann es nicht darum gehen, Mediation gewissermaßen juristisch zu vereinnahmen, weil dadurch das Spezifische von Mediation - was immer es im Einzelnen ist - verloren ginge. Es geht vielmehr darum, die Sensibilität für bestimmte Methoden der Konfliktregelung (wieder) zu erwecken, die eher gegenläufig zu den Stichworten „streitige Entscheidung“ und „zwangsweise Durchsetzung“ angelegt sind, Methoden, die auch nach einer Öffnung für andere Strategien und Methoden der Intervention und damit für andere Disziplinen verlangen.

Statt in eine vertiefte Theoriedebatte einzutreten, sollten wir freilich an dieser Stelle vorzugsweise erläutern, was mit dem Saarbrücker Forum für Mediation bezweckt ist. Denn für die Befassung mit dem Thema bedarf es eigentlich kaum noch einer Begründung, wohl aber für die Frage, warum gerade in Saarbrücken jetzt eine solche Dokumentation aufgebaut werden soll.

Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Die Neufassung des Richtergesetzes verlangt nun ausdrücklich die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Mag der Begriff auch modisch sein, so lenkt er doch den Blick auf Defizite in der juristischen Ausbildung, die behoben werden sollten. Mediation wird vom Gesetzgeber als eine Schlüsselqualifikation benannt. Was im Rahmen der juristischen Ausbildung zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen geleistet werden kann, ist sicher eine noch offene Frage. Eines dürfte jedoch feststehen: Zum Erwerb einer Kompetenz gehört auch Information. Hierzu will das Forum beitragen. Warum nun gerade Saarbrücken? Die Fragestellung hat an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes eine gewisse Tradition. Die Saarbrücker Antrittsvorlesung von Hanns Prütting (jetzt: Universität zu Köln) galt dem Thema „Schlichten statt Richten“, eine Thematik, die aus zivilrichterlicher Sicht später wieder von Günter Ellscheid aufgenommen wurde. Schon Ende der 80er Jahre fand in Zusammenarbeit mit der Arbeitskammer des Saarlandes eine von Heike Jung organisierte internationale Tagung zu dem Thema „Alternativen zur Strafjustiz und die Garantie individueller Rechte der Betroffenen“ statt. Heike Jung hat sich darüber hinaus mehrfach mit den Grundlagen und Grundfragen von Mediation im Strafrecht befasst und an der Erarbeitung der Empfehlung des Europarats zur Mediation mitgewirkt. Maximilian Herberger ist der Frage der Schlichtung unter historischen Aspekten nachgegangen und Wilfried Fiedler hat mit der Mediation im Bereich des Kulturgüteraustauschs eine besonders aparte Thematik beigesteuert. Ein Beitrag von Claude Witz auf der schon erwähnten Tagung betraf die französische Institution des Conciliateur. Die Saarbrücker Dissertation von Anke Morsch über „Mediation statt Strafe? Eine Untersuchung der médiation pénale in Frankreich“ schließlich stellt eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Problem Mediation und Strafe in seiner französischen Spielart dar.

Damit ist auch ein Aspekt angesprochen, der für den Standort Saarbrücken und unser Forum prägend sein wird. Angesichts der besonderen Aufgabe der Universität des Saarlandes und der französischen und internationalen Orientierung der Saarbrücker Juristenausbildung gilt der französischen und internationalen Diskussion unser gezieltes Augenmerk. Ohnehin wird keine enzyklopädische Vollständigkeit angeboten. Unsere Präsentation wird vielmehr den Akzent auf die Theoriediskussion, die Interdisziplinarität und besagte Frankreich-Orientierung legen. Für letztere ist auch die Zusammenarbeit mit französischen Kolleginnen und Kollegen am hiesigen Centre Juridique Franco-Allemand und an verschiedenen französischen Universitäten ein wichtiger Garant. Die Zusammenarbeit mit dem Barreau in Sarreguemines eröffnet darüber hinaus auch eine stärker berufsfeldorientierte Perspektive.

Trotz dieser Schwerpunktsetzung sollen konkrete Informationen über Modelle und Entwicklungen nicht vernachlässigt werden. Vor allem verstehen wir uns als interaktives Forum, d.h. wir möchten die Diskussion fördern, und die Qualität der Präsentation lebt natürlich von den Rückmeldungen der Nutzer.

Die inhaltliche und organisatorische Betreuung des Forums liegt bei den Professoren Herberger und Jung. Das Projekt verdankt seine Entstehung nicht zuletzt der planerisch-konzeptionellen Mitarbeit von Frau Dr. Anke Morsch in der Gründungsphase.

Die Präsentation ist in folgende Sachpunkte gegliedert:

1. Dokumente
2. Beiträge und Vorträge aus Saarbrücken
3. Kommentierte Bibliographie
3.1. Grundfragen
3.2. Status und Rolle des Mediators
3.3. Einzelne Anwendungsfelder
3.3.1. Zivilrecht
3.3.2. Strafrecht
3.3.3. Öffentliches Recht
4. Neuerscheinungen für Sie gelesen
5. Links, nützliche Anschriften, Termine
6. Interviews
7. Notizen
8. Akteure des Projekts